Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

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glupsch
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Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

Beitrag von glupsch » Samstag 21. Juli 2012, 01:23

Hallo zusammen,

Ich bin neu hier, habe gerade eben erst durch Zufall dieses Forum entdeckt. Also bitte entschuldigt, wenn mein Beitrag nicht da gelandet ist, wo er hingehoert ;) Punkte, bei denen ich mich ueber Feedback freuen wuerde, habe ich fett geschrieben, damit man sie schnell sieht. Ansonsten will ich mich hier einfach mal vorstellen. Und vielleicht ist meine Geschichte ja fuer den einen oder anderen hilfreich. Als ich sie mal persoenlich dem Vater eines betroffenen Maedchens erzaehlen konnte, hat es ihm anscheinend sehr geholfen, mal jemand kennenzulernen, der trotzdem fest und erfolgreich im Leben steht. Also liebe Eltern: nur Mut, es gibt wirklich Schlimmeres! :)

Ich bin Jahrgang 1982 und mit beidseitigem Katarakt auf die Welt gekommen. Keine der aerztlichen Untersuchungen hat dies jedoch bemerkt, vielmehr war es meine Mutter, die nach etwa 10 Wochen merkte, dass mit meinen Augen wohl etwas nicht stimmt: keine Reaktion meinerseits, wenn sie mir was zeigt etc. Der behandelnde Kinderarzt wusste dann auch sofort, was Sache ist - ausser hell/dunkel habe ich dank des Katarakts wohl nichts gesehen.

Die Diagnose war also da, doch die Aerzte sich damals sehr uneinig - gleich operieren, oder lieber warten? Und wenn ja, wie lang? Nach zig Terminen und mindestens genauso vielen verschiedenen Meinung sind meine Eltern und ich schliesslich bei der Muenchner Augenklinik gelandet, wo ich im Alter von knapp 6 Monaten an beiden Augen operiert wurde. Die OP war erfolgreich, sodass ich danach die "wunderschoene" Starbrille bekommen habe und endlich sehen konnte. Wie gut die Sehleistung damals war, kann ich im Moment nicht sagen. Von Anfang an war die Sehleistung auf dem rechten Auge deutlich besser als auf dem linken.

Weiter ging es dann jahrelang mit dem gehassten Augenabkleben - ich will ja gar nicht wissen, wie nervtoetend das taegliche Drama fuer die Eltern ist :D Im Alter von etwa drei Jahren bekam ich Kontaktlinsen, zunaechst weiche, die ich aber nicht gut vertragen habe, dann harte. Mit letzteren kam ich von Anfang an prima zurecht und trage sie mittlerweile vom Aufstehen bis zum Zubettgehen ohne Probleme. Auch wenn ich im Kindesalter natuerlich einige von denen verloren hab ;) Linsen wurden mir nie implantiert. Es wird zwar immer mal wieder vom Augenarzt angesprochen, dass man das machen koennte, da aber die einhellige Meinung ist, dass es keine Verbesserung der Sehleistung bringt, sehe ich den Sinn fuer mich nicht ganz. Wenn da jemand andere Erfahrungen gemacht hat, freu ich mich sehr ueber Erfahrungsberichte, was das Implantat genau verbessert hat. Wuerde es ueberhaupt Sinn machen, das jetzt, nach 30 Jahren, noch zu machen, oder ist der Zug sowieso laengst abgefahren?

Mit meinen Kontaktlinsen und einer Bifokalbrille war ich also gut versorgt, auch die Abkleberei wurde mit der Zeit weniger und irgendwann ganz aufgehoert, weil es wohl nichts mehr gebracht hat. Meine Sehleistung ist jetzt, recht tagesformabhaengig, rechts um die 40%, links um die 20-25%, beidaeugig um die 50%. Ich habe auf beiden Augen Nystagmus, sodass es mir schwer faellt zu fokussieren - insbesondere, wenn ein Auge beim Sehtest abgedeckt wird. Meine Augenaerztin meinte mal, dass ich ohne Nystagmus wahrscheinlich um die 20% bessere Werte haette, man da aber leider nichts machen kann. Stimmt das, ist dieses "Augenzittern" wirklich nicht behandelbar? Die Nahwerte sind uebrigens deutlich besser, da komme ich auf bis zu 80%.

Zusaetzlich habe ich einen leichten Nachstar auf dem rechten Auge, dessen Entfernung mir laut Augenarzt so um die 10% mehr Sehleistung bringen wuerde. Da wollen mir die Aerzte aber bislang weder wirklich zu- noch abraten - der Grund ist, dass mit einem noch besseren rechten Auge das schwaechere linke noch mehr verkuemmern wuerde und das eh schon schwache raeumliche Sehen noch mehr leiden wuerde. Hat da jemand Erfahrungen und kann etwas dazu sagen? Wie viel bringt eine Nachstarbehandlung tatsaechlich? Bringt es was, das am besseren Auge machen zu lassen?

Insgesamt kam und komme ich mit meiner Behinderung (GdB 40%) gut zurecht, musste halt in der Schule immer vorn sitzen, damit ich was lesen kann und so. Aber damit kann man leben :) Jahre gingen ins Land, meine Augen waren (bis auf Aenderungen der Brillenstaerke) stabil, ich machte mein Abi und fing an zu studieren.

Nur ging ich immer davon aus, dass ich fuer einen Fuehrerschein viel zu wenig sehe. Bis ich dann eines Tages, da war ich 21, mal wieder beim augenaerztlichen Kontrolltermin sass und hoeren durfte "Fahren Sie eigentlich Auto?" - da fiel ich erstmal fast vom Sitz! Auf meine Nachfrage durfte ich dann erfahren, dass das u.U. schon moeglich sei, und ich doch am besten mal zum anerkannten Obergutachter gehen soll, der wuerde das klaeren. Gesagt getan - erstmal ein paar Wochen kein Alkohol, kein Kaffee, immer genug Schlaf etc. (schliesslich haengt meine Sehleistung von meiner Form ab ^^), dann der Termin. Dort wurden meine Augen auf Herz und Nieren geprueft, also neben der Bestimmung der Sehstaerke auch Farbensehen, Nachtsehen, Blendempfindlichkeit, gesichtsfeld und wasweissich. Das Ergebnis: Ich darf fahren, allerdings nur bei Tageslicht! JUHU! :mrgreen: Seit nunmehr neun Jahren bin ich stolze Besitzerin eines (deutschen) Fuehrerscheins und bis dato bis auf dass mir mal jemand hintendraufgefahren ist, unfallfrei. Toi toi toi. Damit war dann eigentlich auch der letzte Punkt, den ich als echte Einschraenkung gesehen hab, beseitigt. Gut, ich darf wegen meiner Blendempfindlichkeit nicht nachts fahren, was nervig sein kann - aber besser tagsueber als gar nicht ;)

In der Zwischenzeit habe ich mein Studium abgeschlossen, erfolgreich promoviert und bin nach wie vor in der Wissenschaft taetig - momentan in den USA, ab diesen Herbst in der Schweiz. Hier in den USA ist, da ich kein "resident" geworden bin, mein deutscher Fuehrerschein wieterhin gueltig - allerdings habe ich nichtmal ein Auto, da sich fast alles per Fahrrad oder Linienbus erledigen laesst. Und fuer die Faelle, wo ich doch mal einen fahrbaren Untersatz brauch, kann man ja eins ausleihen.

In der Schweiz sieht das leider anders aus - dort muss ich innerhalb von 12 Monaten den deutschen Schein gegen einen schweizer tauschen, wofuer zwar keine Fahrpruefung, aber ein Sehtest noetig ist. Und im Gesetzestext hab ich heute gefunden, dass hierzu mindestens eine Sehleistung von 60% auf dem besseren und 10% auf dem schlechteren Auge noetig ist. Verdammt! Hat rein zufaellig jemand Erfahrung und weiss, ob das Absolutwerte sind, oder ob man das evtl. durch ein spezielles Gutachten irgendwie umschiffen kann? Jedenfalls bin ich gerade ziemlich frustriert, da ich eigentlich durchaus mit dem Gedanken spiele, laengerfristig in der Schweiz zu leben und die eigeschraenkte Mobilitaet da doch ein ganz dicker Minuspunkt ist. Und ich frage mich natuerlich, ob es nicht vielleicht irgendwelche Moeglichkeiten gibt (Nachstarbehandlung, Behandlung des Nystagmus, Linsenimplantat, ???), mein rechtes Auge auf die erforderlichen 60% zu bringen.

Und dann noch eine Frage: Bislang bin ich mit Kontaktlinsen und Bifokalbrille fuer die Naehe versorgt. Da ich aber sehr viel am Computer arbeite, braeuchte ich eigentlich mal eine Trifokal- oder Gleitsichtbrille, da der Bildschirm fuer bifokal einfach nicht die richtige Distanz hat. Hat hier jemand Erfahrungen? Trifokal, normale Gleitsicht, oder spezielle Buerogleitsicht mit "abgespecktem Fernbereich?

Auch meine Starbrille braucht mal wieder Ersatz. Hier wollte ich wissen, zu was fuer Glaesern Ihr mir ratet, da gibt es ja mittlerweile extrem stark brechende Kunststoffe. Erfahrungswerte hochwillkommen!

Also, auch wenn ich mich ueber die Sache mit dem Fuehrerschein grad tierisch aufreg, denke ich doch, dass man auch mit beidseitigem angeborenem Katarakt (und zwar so, dass man nix sieht) und eigentlich viel zu spaeter OP eigentlich immer noch ganz "normal" leben kann - sofern man eine Wissenschaftlerkarriere als normal bezeichnen kann. Vielleicht ist beruflich erfolgreich doch das bessere Wort ;) Liebe Eltern, deren Kind mit grauem Star diagnostiziert wurde: So schwer das auch ist, es ist kein Weltuntergang! Es gibt viele viele Behinderungen, die eine sehr viel groessere Einschraenkung im Leben darstellen als diese!

Schoenes Wochenende Euch allen, und ich freu mich selbstverstaendlich ueber jede Art von Antwort!

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Re: Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

Beitrag von merin » Sonntag 22. Juli 2012, 15:38

Hallo Glupsch,

vielen Dank für Deinen Bericht. Ich finde ihn ermutigend. Ich kann zu Deinen Fragen nichts sagen. Meine Tochter verträgt leider aktuell keine KL und trägt nur Bifo-Starbrille. Da gibt es sogenannte Franklingläser, das heißt, dass das Brillenglas aus zwei Gläsern zusammengesezt ist, die über die gesamte Breite gehen. Sie ist damit viel besser versorgt als mit eingeschliffenem Nahsichtfeld. Die Brille ist aber trotz hochbrechender Gläser sehr dick und vergrößert die Augen stark. Ich habe mal versucht, den einen Anbieter zu recherchieren, der diese Gläser in D anbietet und war ein mal erfolgreich, finde den Link aber nicht wieder.
Meine Tochter hat auf beiden Augen annähernd gleiche Sehstärke bislang - so haben wir lange nicht mehr abkleben müssen, zum Glück.

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Re: Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

Beitrag von glupsch » Sonntag 22. Juli 2012, 15:43

Hallo merin,
Danke fuer Deine Antwort! Weisst Du zufaellig die Brechzahl der Brillenglaeser? Und wie dick sind die dann (bei wie viel Dpt.)?
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Re: Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

Beitrag von merin » Montag 23. Juli 2012, 08:51

Die Dicke muss ich mal messen wenn meine Tochter da ist. Die Brechzahl weiß ich nicht, Dioptrienzahl ist 14 bzw. 14,5 plus die drei für die Nähe.

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Re: Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

Beitrag von glupsch » Montag 23. Juli 2012, 15:03

Oh danke, das waer toll, wenn Du das machen koenntest! Sie ist von meinen 15+2,5 bzw. 15,75+2,5 ja nicht so weit weg, das wuerd mir eine gute Vorstellung geben :)
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Re: Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

Beitrag von merin » Montag 23. Juli 2012, 21:22

Das Glas ist 9mm dick an der dicksten Stelle. Ich weiß jetzt grad nicht, welche Seite ich gemessen habe, aber sie sind nicht sichtbar verschieden.

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Re: Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

Beitrag von glupsch » Mittwoch 25. Juli 2012, 17:51

Danke, das macht Hoffnung :D Meine (schon weit ueber 10 Jahre alt, da ich sie eh fast nie trage) misst an der dicksten Stelle so etwa 13mm. Zumal ich keine Franklinglaeser hab, sondern nur "normale" Bifos. Je duenner die Glaeser, desto weniger :shock: sieht man damit ja auch aus...
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Re: Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

Beitrag von merin » Mittwoch 25. Juli 2012, 20:16

Ja. Ich frage mich aber, ob es da was aus macht, dass ein Kinderbrillenglas natürlich einen viel geringeren Durchmesser hat. Und große Augen hat Tochterkind so schon sehr, rein optisch (real hat sie recht kleine Augen).

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Re: Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

Beitrag von glupsch » Mittwoch 25. Juli 2012, 21:04

Ohja, das macht mit Sicherheit einiges aus. Ich werde mich wohl einfach mal in Ruhe umschauen und beraten lassen - wenn ich neu bebrillt bin, kann ich ja mal vorher-nachher Fotos posten 8) Dummerweise weiss ich bei meiner jetzigen Brille auch gar nicht, was fuer ein Kunststoff da eigentlich drin ist...
Dauert sowieso noch eine Weile, da ich aus finanziellen Gruenden wohl noch bis naechstes Jahr warten werde.
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Re: Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

Beitrag von merin » Donnerstag 26. Juli 2012, 08:37

Ich hoffe, Du findest eine gut aussehende Lösung und bin gespannt auf Deine Erfahrungen.

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Re: Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

Beitrag von simpannar » Mittwoch 1. August 2012, 01:09

Hallo,

Meine Frau hat mich auf den Beitrag aufmerksam gemacht. Bin ein paar Jahre älter (1974), ebenfalls angeborener beidäugiger Katarakt + Nystagmus, ein Auge ganz gut (40%, bei guter Tagesform auch mal mehr.... kann gut nachempfinden, was Du mit dem Sehtest gemeint hast....). Mein zweites Auge is aber deutlich schlechter (die OP lief wohl damals nicht optimal). Bin mit ca. 9 Monaten operiert worden (meine Eltern mussten lange suchen, bis es eine Diagnose gab). Auch ich sehe im Nahbereich deutlich besser und es ist insgesamt auch entspannter für mich, mich auf Dinge in der Nähe zu konzentrieren. Das wissenschaftliche Arbeiten an der Uni hat mir von daher auch sehr gefallen....

Ich kann Dir nur ein paar Erfahrungen zum Thema Brille weitergeben - allerdings sind meine Dioptr.-Werte deutlich niedriger: Ferne +6,5 , Addition +4 (brauche für die Nähe etwas mehr Vergrößerung).
Trage in der Regel über meine Kontaktlinse eine Trifo (0/+2 und +4) in Glas (weil es da keine herausstehenden Teile gibt). Die Brille funktionierte für mich über Jahre echt super und ich war sehr traurig, als mir mein eigentlich schon recht engagierter Optiker vor zwei Jahren erklärte, dass es diese Gläser so nicht mehr gibt (mein Gestell gab langsam den Geist auf....) und wir uns was anderes einfallen lassen müssen (z.B. sowas wie die oben schon erwähnten Gläser). Das Problem bei mir ist die Addition von +4, was wohl nur ganz wenige Glashersteller anbieten und wenn, dann teuer und mit Überständen an den Nahteilen...

Wir haben dann meine alten Gläser in ein anderes Gestell montiert (als Übergangslösung). Und mein Optiker meinte, wir machen mal was ganz verrücktes und probieren Gleitsicht-Gläser mit nem etwas größeren Mittenbereich aus.... Ich könne ja die Brille zurückgeben, wenn es nicht funktioniert.
es handelt sich dabei um Rodenstock Impression-Gläser.

Ich bin zwar nicht sonderlich eitel, bin aber mittlerweile nicht mehr an der Uni, sondern in der sog. "freien Wirtschaft". Ich habe immer wieder mit Kunden zu tun und halte häufiger auch Seminare. Nachdem die Gleitsichtbrille die Augen-Geschichte schon besser kaschiert als irgendwelche Trifo-Gläser, (wie dünn sie auch sein mögen, es bleiben immer die Kanten), lag die Versuchung nahe, es tatsächlich auszuprobieren.... Das Ergebnis war ziemlich zwiespältig.

1. Da auch die Rodenstock-Gläser nur mit max +3,5 für die Nähe lieferbar waren, habe ich den Optiker überredet, mir oben nicht 0, sondern +0,5 reinzumachen, so dass ich für die Nähe wieder meine gewohnten +4 habe. Ich dachte mir, so doll wird sich die halbe Dioptr. in der Ferne nicht bemerkbar machen.... Leider doch!! Ich empfinde es als total störend, wenn ich in der Ferne nicht scharf sehe...obwohl ich sonst nur mit Kontaktlinse auch nicht viel mehr in der Ferne erkenne.

2. Die genannten Gleitsichtgläser haben für Gleitsichtgläser schon einen ziemlich großen Mittenbereich (also zum Arbeiten am Pc etc. pp.). Im Vergleich zu richtigen Trifo-Gläsern ist er aber trotzdem lächerlich klein und das ist mit meinem Nystagmus schon ein ziemliches Problem. Ich kann damit schon arbeiten, aber ich bin am Abend fix und alle und Kopfschmerzen sind (bzw. waren) an der Tagesordnung. Soweit, so schlecht.... Gibt aber auch sehr positive Sachen:

3. Da ich in der Ferne ja 0,5 zu viel hatte, ist das Bild von der Tiefenschärfe her nicht so gut und, so paradox das klingen mag, dass hilft in bestimmten Alltagssituationen auch (z.B. am Esstisch oder beim Griff ins Regal usw.). Ich habe eine bessere räumliche Wahrnehmung, weil einem diese mit wachsender Entfernung fliessenden Übergänge von scharf nach unscharf eine neue Info über die Entfernungen der Dinge liefert. Der Effekt ist vielleicht vergleichbar mit einem Foto von einer Spiegelreflexkamera, wo man den Hintergrund bewusst unscharf macht, damit man den Vordergrund deutlicher erkennt....

4. Ich hab den Gleitsicht-Gläsern trotzdem noch eine Chance gegeben und mittlerweile (ca. 9 Monate, nachdem ich sie bekommen habe), stelle ich fest, dass es doch immer besser funktioniert...

Und dann zum Schluss die Überraschung: per Zufall war ich vor ein paar Wochen bei einem Kunden von uns, der selbst Optiker ist. Ich hatte an dem Tag meine alte Trifo-Brille dabei und er sprach mich darauf an, warum ich so "altmodische" Gläser trage. Ich habe ihm die Kurzfaasung erzählt und auch, dass ich etwas traurig bin, weil mein Optiker die Gläser so nicht mehr bekommt. Er meinte nur: so ein Quatsch, ich solle ihm die Werte geben und er prüft das mal. Fakt ist, dass er liefern konnte in meiner über Jahre hinweg bewährten Wunsch-Kombi Trifo-Glas mit 0, +2 und +4 in Glas ohne irgendwie rausstehende Nahteile. Nachdem dieser Optiker für mich räumlich aber kaum erreichbar ist, konfrontierte ich meinen Stamm-Optiker mit dieser neuen Info. Und siehe da, plötzlich kann er auch liefern, nachdem er nochmal genauer recherchiert hat...

Mein Fazit: ich habe die Gleitsichtgläser jetzt schon behalten, nutze sie aber nur in bestimmten Situationen (z.B. wenn ich ein Seminar halte). Für die tägliche Arbeit im Büro bzw. am PC finde ich eine optimal eingestellte Trifokalbrille alternativlos. Und da müssen meiner Meinung nach auch alle Stärken genau passen. Meine Optiker wollten mir immer wieder so spezielle Officebrillen andrehen, die dann nur auf die Nähe und die mittleren Entfernungen hin getrimmt sind und wo die Ferne komplett außen vor gelassen wird. Nach meinen Experimenten mit sowas würde ich das nie machen, weil man einfach zwischendrin immer mal auch in die Ferne guckt (und sei es nur aus dem Fenster). Wenn das dann nicht gescheit geht, weil man gerade ne Office-Brille auf hat, dann ist dieser kurze Blick nach draußen fürs Auge bzw. für/s Hirn wieder keine Entspannung. Und ich denke, gerade wg. des Nystagmus sind solche kurzen Entspannungsphasen sehr wichtig.

Naja und dann darf man wohl auch dem langjährigen Optiker nicht bedingungslos vertrauen, sondern muss immer auch selbst recherchieren. Bei Dir sind die Werte schon wieder ganz anders und es gibt vielleicht ganz andere Herausforderung bei der Beschaffung der optimalen Gläser.

In diesem Sinne, viel Erfolg dabei!

PS: Bin beeindruckt, dass Du Auto fährst, könnte ich mir für mich nie vorstellen, aber das macht Hoffnung für unsere Tochter, die dummerweise meine Augen geerbt hat....

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Re: Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

Beitrag von Egaro » Mittwoch 1. August 2012, 15:54

hallo glupsch,
tönt gut, deine geschichte. ich bin auch mit angeb. katarkt geboren, bei mir wurde es auch eher spät entdeckt, auch durch meine eltern, nicht durch die ärzte... ich wurde dann mit etwa 1 1/2 jahren operiert, hier in der schweiz, wo ich auch lebe. wir haben zwei kinder, die beide den gr. star von mir geerbt haben. bei der tochter kommt noch ein sek. glaukom dazu, dass die ganze angelegentheit noch verkompliziert...
ich lebte bis 30ig mit kontaktlinsen, und ganz selten starbrille. mit der sah ich nciht so gut. mit 30ig fand ich endlich, nach langem suchen, ein arzt, der es wagte, mit linsen zu implantieren. ich wollte das so sehr, weil ich die kontaktlinsen nicht wirklich optimal vertragen habe. die op am schlechteren auge wurde zuerst gemacht und lief gut. am besseren, 6 mte später implantierte der arzt eine falsche linsenstärke. sie musste nach 2 wochen wieder raus und eine neue rein. dass bedingte einen grossen schnitt in die hornhaut um die 1. linse abzusaugen. und das wurde jetzt auch zu meinem problem, nach ein paar jahren war eine mega hornhautverkrümmung da, die nur teilweise mit einer kontaktlinse (schon wieder!!!) korrigiert wird. ich habe grad nach dem implantieren 60 resp. 30 % gesehen und das hätte rein theoretisch für's autofahren gereicht. ich habe mich aber nicht getraut....
drum das mit deiner info 60/10 % sehen ist korrekt hier in der schweiz. keine ahnung ob es irgendwelche sondergenehmigungen gibt, ich denke nicht, habe noch nie von einer gehört, oder von jemand der schlechter sieht und auto fahren darf...
aber autofahren ist hier ja eh fast überall nicht nötig. busse, züge, tram,... fährt fast immer überall hin. wohin würdet du den ziehen hier??
liebe grüsse und bis gli
esther

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Re: Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

Beitrag von glupsch » Dienstag 7. August 2012, 09:18

Hallo simpannar,

Vielen Dank fuer Deine Antwort und den ausfuehrlichen Bericht ueber Deine Brillenprobleme. Interessant finde ich, dass Du so oft auf Deine Trifo-Brille angesprochen wirst - das ist bei mir mit der Bifo-Brille (Kunststoff, also mit herausstehendem Nahteil) so weit ich mich entsinnen kann, nie passiert. Ich werde das auf jeden Fall auch erstmal ausfuehrlich mit Augenarzt und Optiker diskutieren, ob eine Gleitsichtbrille in meinem Fall Sinn macht oder ich mit Trifo besser beraten waere. Viele Optiker bieten ja auch an, dass sie einem die Gleitsichtglaeser, wenn man nicht zurechtkommt, gegen andere tauschen. Von Officebrillen halte ich auch nicht viel - ich will ja nicht jedes Mal, wenn jemand den Raum betritt oder ich zur Toilette geh, die Brille abnehmen muessen...



Hallo Esther,

Vielen Dank fuer Deinen Bericht!
Nachdem ich gerade seit einer Woche in der Schweiz zu Besuch bin, gewoehne ich mich auch mehr und mehr an den Gedanken, dass man ohne Fuehrerschein doch auch sehr gut leben kann. Autos scheinen ja in der Schweiz noch serh viel weniger willkommen zu sein als in Deutschland. Zudem ziehe ich in eine Grosstadt (Genf), da brauche ich wirklich kein Auto. Auch wenn ich mir zumindest gern die Moeglichkeit offen gehalten haette, bei Bedarf ab und zu mal einen Mietwagen oder CarSharing zu benutzen.
Das mit der falschen Linsenstaerke bei der Implantation tut mir sehr leid, so was unnoetiges! Aber Aerzte sind Menschen, und Menschen machen nunmal leider Fehler :?
Du schreibst, welche Sehstaerke Du nach der Implantation hattest - hatte sich das denn gegenueber vor der Implantation geaendert? Und wie sieht es jetzt aus? Fuer verbessertes Seehen koennte ich mir naemlich vorstellen, das Risiko einer Implantation einzugehen - nur fuer die Bequemlichkeit, die KL loszuwerden, eher nicht (ich vertrag sie ja sehr gut).

Noch eine Frage, da Du Dich ja in der Schweiz auskennst: Hast Du eine Empfehlung fuer einen guten Optiker bzw. Optikerkette? Ich werde zwar in Genf wohnen (so ich denn eine Wohnung finde... :roll: ), werde aber auch sehr regelmaessig im Grossraum Zuerich sein.


Liebe Gruesse Euch beiden aus Genf!
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- Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz

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Re: Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

Beitrag von glupsch » Sonntag 19. August 2012, 02:24

Sooo, es gibt ein paar Neuigkeiten. Zurueck in der alten neuen Heimat (also in den USA) war ich Freitag frueh mal wieder beim Augenarzt zum Nachschauen.

Insgesamt passt alles :D , Augendruck wie immer nochmal, Visus unauffaellig (fragt mich jetzt nicht, wieviel genau, aber es war im ueblichen Rahmen), Kontaktlinsen zur vollsten Zufriedenheit (sowohl die Staerke als auch der Sitz).

Die Starbrille hat sie mir auch neu ausgemessen, da bin ich jetzt doch etwas baff ueber die neuen Werte: +11,25 bzw. +13,25 add +3,00... bisher war ich bei +15,00 bzw. +15,75 +2,50! Ich weiss zwar, dass meine Brille ziemlich alt ist und sich seitdem auch die Kontaktlinsenwerte etwas geaendert haben, aber mit so einer Aenderung haette ich nie im Leben gerechnet! Noch etwas mehr skeptisch macht mich, dass ich beim Ausmessen die Tropfen zum Pupillen-Erweitern schon im Auge hatte, auch wenn ich subjektiv da noch ganz gut gesehen habe. Da werde ich mir also, bevor ich mir die Brille machen lass, auf jeden Fall noch eine zweite Meinung einholen. Eilig hab ich es da aber nicht, jetzt ist erst mal was anderes dran:

Wie oben schon geschrieben, spielte ich schon seit einer Weile mit dem Gedanken, meine Bifo-Brille mal durch Gleitsicht zu ersetzen. Ein ganz klein bisschen skeptisch bin ich zwar, weil anscheinend mit dem Nystagmus da doch einige Leute Schwierigkeiten haben - andere aber auch wieder nicht, da hilft wohl nur ausprobieren :wink: Also habe ich meine Augenaerztin darauf angesprochen. Sie meinte, dass sie mir nicht garantieren kann, dass ich mit Gleitsicht klar komme, die Chancen aber sehr realistisch findet, und ich solle es mal versuchen. Ein bisschen rumdiskutiert haben wir dann noch ueber die Staerke - in meiner Bifo habe ich +2,75 und finde das eigentlich prima, fuer die Gleitsichtbrille hat sie mir jetzt +3,00 aufgeschrieben. Das hat mich natuerlich erstmal irritiert, aber ihr Argument, dass ich ja auch alles dazwischen mit drin hab, hat mich dann doch ueberzeugt.

Mit dem Rezept war ich heute gleich beim Optiker, habe mich nach einer schweren Entscheidung fuer ein Brillengestell entscheiden koennen - gar nicht so einfach, wenn man niemand zur Beratung dabei hat! In einer Woche soll die Brille fertig sein, ich bin schon sehr gespannt und werde berichten (und mich hoffentlich nicht allzu sehr verunsichern lassen, wenn die Eingewoehnung ein paar Wochen dauert).

Meine Augenaerztin habe ich auch noch auf das Thema Implantation angesprochen - und sie hat mir eigentlich recht deutlich abgeraten. Zum einen meinte sie, dass das Risiko bei mir hoeher sei, dass was schief geht, zum anderen wuerde es den Visus gegenueber jetzt (mit KL) nicht verbessern. Und zu guter Letzt sagte sie mir noch, dass ich auch mit Implantat immer noch harte KL tragen sollte, weil das den Nystagmus beruhigt! Damit verliert die Implantation fuer mich irgendwie jeden Sinn - solang ich mit meinen KL so gut klarkomme wie bislang, werd ich das wohl einfach so lassen wie es ist. Never change a running system 8)
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Re: Meine Geschichte - und ein paar offene Fragen

Beitrag von Angela » Sonntag 19. August 2012, 11:04

Hallo glupsch,

lustig, Deine Geschichte ist meiner ganz ähnlich: bds. katarakt, links viel schlechter, mit Ach und Krach Führerschein, studiert..... :-)

Ich kann leider nicht so viel zu Deinen Fragen beitragen. Nur ein paar Bemerkungen:

Mir sagte man damals, ich könnte mit Implantaten noch bessere Werte erreichen, was sich aber nicht bewahrheitet hat. Allerdings bin ich total froh, diese schreckliche Starbrille los zu sein. Ich trage zwar immer eine Brille, aber die ist optisch viel schöner. KL fand ich persönlich immer zu umständlich. Natürlich habe ich sie getragen, als ich noch die Starbrille hatte, aber jetzt bin ich mit der zusätzlichen Brille ganz zufrieden. Umd wenn ich sie mal nicht habe, sehe ich eben auch so genug.

Führerschein habe ich, aber ich habe beim Fahren schon Einschränkungen gefühlt. Ich durfte auch nur am Tag fahren und Spaß hat es auch gemacht, aber seit meine Kinder auf der Welt sind, bin ich nicht mehr gefahren. Ich bekam plötzlich doch Angst, mal was nicht richtig einschätzen zu können - mit den Kindern im Auto..... So fahre ich schon seit über 10 Jahren nicht mehr. Hier in Potsdam ist das allerdings auch kein Problem, wir haben nicht mal ein Auto.

Die Brillen überlassen wir relativ kritiklos unserem Optiker, der sich mächtig ins Zeug legt. Die Einzelheiten beachten wir dabei nicht so (überlassen wir ihm), aber das Ergebnis ist immer wieder super. Die neue Brille meiner Jüngsten ist wirklich wieder schön dünn geworden, obwohl sie ja mittlerweile einen größeren Durchmesser braucht.

Tja, mehr kann ich schon nicht sagen.

Liebe Grüße und Alles Gute!

Angela

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